Fachbehörden geben grundsätzlich dann Stellungnahmen ab, wenn ihnen Pläne vorliegen. Das Prozedere kennt jeder, der bereits ein Haus gebaut hat. Diese Vorgehensweise gilt ebenso für Neubaugebiete, für Kinderkrippen oder auch für Supermärkte.
Hoffen wir, dass die zuständigen Fachbehörden die Pläne für den Bau des Supermarktes wohlwollend prüfen. Wenn wir uns richtig erinnern, wurde just an dieser Stelle schon mal ein Gebäude mit der Begründung abgelehnt, der Planort liege im Hochwassergebiet.
Nichtsdestotrotz fanden wir die Äußerung, ein Großkonzern aus der Lebensmittelbranche mache seine Ansiedlung von der stagnierenden Bevölkerungsentwicklung Burghaslachs abhängig, schon immer etwas abenteuerlich.
Zur Erinnerung hier nochmals die Grafik, welche die Entwicklung der Einwohnerzahlen unseres Ortes aufzeigt:

Auf den Internetseiten Burghaslachs sind Planungunterlagen zum „Sondergebiet Einzelhandel“ veröffentlicht. [https://www.burghaslach.de/Startseite/Gewerbe-und-Bauen/Bauleitplanverfahren/K196.htm]
In der Begründung zum Bauvorhaben ist auf Seite 4 von einem positiven Bevölkerungswachstum von mehr als 450 Personen zu lesen. Beachtlich! Nur wurde als Ausgangspunkt der Wert von 1987 (!) mit einem Bevölkerungstiefststand von 2.072 Personen herangezogen.
Sicherlich brauchen wir nicht darüber zu diskutieren, dass jahrzehntealtes Zahlenmaterial KEINE Entscheidungsbasis eines Lebensmittelkonzerns zur Errichtung einer neuen Filiale ist.
Ein Blick in die Expansionsbroschüre der betreffenden Handelskette zeigt, dass für die Ansiedlung einer Standardfiliale ein Einzugsgebiet ab 3.500 Einwohnern erwartet wird. Davon ist Burghaslach allein sehr weit entfernt. Daran werden selbst 80 neue Bauplätze nichts ändern.
Entscheidend für die Wahl dürfte die Lage Burghaslachs innerhalb des Einzugsgebietes gewesen sein. Die nächsten Filialen des betreffenden Supermarktes befinden sich in Uehlfeld, Scheinfeld, Höchstadt, Mühlhausen und Burgebrach. Alles Orte, die etwa 16 km entfernt liegen. Somit war unser Ort ein weißer Fleck in der Filialdichte des Konzerns.
Entscheidend mag auch das Konkurrenzverhalten der beiden Supermarktketten gewesen sein, die künftig in Burghaslach vertreten sind.
Folglich hatte die Standortwahl weder mit der schwarzen Null in der Bevölkerungsentwicklung noch mit der Ausweisung eines riesigen Baugebietes zu tun.
Ähnlich verhält es sich mit dem Erhalt anderen Einrichtungen in Burghaslach, die teils zu Zeiten entstanden sind, als Burghaslach deutlich mehr Einwohner hatte als heutzutage. Die Existenz war jedoch trotz sinkender Einwohnerzahlen zu keiner Zeit gefährdet.
- Der Kindergarten wurde 1906 eröffnet und wird seitdem von der Diakonie betrieben.
- Die jetzige Schule wurde 1967 erbaut. Doch bereits davor hatte Burghaslach ein Schulhaus.
- Das Schwimmbad besteht vermutlich seit den 40er Jahren. Es wurde erstmals 1971 umgebaut.
- Der bestehende Supermarkt eröffnete 1980.
- Ebenfalls 1980 wurde mit dem Baugebiet Griefenberg 1 begonnen.
Im Übrigen ist die Argumentation der Gemeinde völlig gegenstandslos. Denn es geht um die Frage, WO gebaut wird und nicht, ob gebaut wird.

So, nach den Bürgerentscheiden kam es endlich zur Sprache:
Wie wir in der Gemeinderatssitzung am 04.11.2019 erfahren haben, hat das Wasserwirtschaftsamt Ansbach Bedenken hinsichtlich möglicher Beeinträchtigungen des geplanten Supermarktareals während eines hundertjährigen Hochwassers. In diesem Fall droht nämlich „Gefahr für Leib und Leben“, so in der Stellungnahme des Amtes.
Laut Bürgermeister geht es um einen Rückstau, falls die Fußgängerunterführung unter der Staatsstraße vollständig überflutet werden sollte.
Kurz: Die Planungen stocken.
Die Gemeinde hat nunmehr ein geeignetes Grundstück im Visier und plant ein „Bauwerk“, um eventuelle Hochwasserfluten rückstauen zu können. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt. Vielmehr wurde auf die nichtöffentliche Sitzung verwiesen.
In diesem Zusammenhang ist vor einigen Wochen das Wort „DAMM“ gefallen. Wenn wir Glück haben, kommen wir mit einer Renaturierung des Buchbachs bzw. mit Überflutungsflächen davon.
Als weitere Hochwasserschutzmaßnahme ist angedacht, am Bach Sensoren zu installieren, welche bei Überflutung Feuerwehralarm auslösen.
Den Gemeinderäten schien es wichtig, in der Sitzung am 04.11.2019 wesentliche Rahmenbedingungen festzulegen und die 12. Änderung des Planverfahrens zu beschließen. Genauere Details über die Hochwasserschutzmaßnahmen sollen später erfolgen.
Einen weiteren Kommentar ersparen wir uns an dieser Stelle.
Am Montag in der Gemeinteratssitzung hat unsere allwissenter, bester und erfolgreichster Bürgermeister aller zeiten ( irgendwo habe ich soetwas schon einmal gehöhrt?? ) wieder verbal zugeschlagen.
Bei den Abwägungen der verschiedenen Fachbehörden hat er doch glatt Frau Wölkl vom Wasserwirtschaftsamt ihre Fachkompetenz in Frage, ja sogar ins lächerliche gezogen!
Den großteil der Gemeinderäte stört so etwas nicht, im gegenteil einige finden das sogar lustig!
Die Begründung warum wir einen Netto-Markt dringend brauchen war auch sehr Interessant: Da die Rewe zuwenige Parklplätz hat müssen wir von der Siedlung ( Nordhosler) und die im süden auswärts einkaufen gehen.
Ja man merkt es, wenn man diese Mitbürger trifft, sie sehen alle sehr abgemagert aus.
Das von der BI fand ich etwas hart, aber es war entlich leben in der verstaubten Bude.
Guten Morgen Querdenker,
unsere Meinung über die Leistung und Erfolge des amtierenden Bürgermeisters differiert deutlich von dem, was Sie gehört haben.
Was die Gemeinderatssitzungen betrifft, so erinnern diese in der Tat doch etwas an Stammtischpolitik. Schade, dass die Presse solche Entgleisungen nie thematisiert.
Die Begründungen für den neuen Supermarkt finden wir gar nicht so schlecht. Wir sagen ja auch, diese fatale Zersiedelungspolitik geht zu Lasten des Ortskerns. Jetzt haben wir es amtlich. Nord- und Südhosler gehen nicht in den dorfmittigen Supermarkt einkaufen.
Aber im Grunde haben Sie natürlich Recht. Die gesamte Begründung für die Notwendigkeit eines neuen Supermarktes ist ziemlich lächerlich. Es wird ein Bevölkerungszuwachs basierend auf Zahlen von 1987 konstruiert und die dorfmittige Lage mit begrenzten Freiflächen aufgeführt. Hier benötigen übergeordnete Stellen Material, um einen Ordner mit bedruckten Papier füllen zu können. Und es wird geliefert.
Diesen Bürokratismus können wir der Gemeinde jedoch nicht vorwerfen. Vorwerfen können wir allerdings die Standortplanung. Dass dieses Areal hochwassergefährdet ist, ist von früheren Bauplanungen bekannt. Hätte der Rat sich diesen Umstand in Erinnerung gerufen und einen anderen Standort gesucht, stünde der Supermarkt vermutlich bereits.
So haben wir die 12. Änderung des Planvorhabens und müssen unter Umständen Schwimmwesten tragen, wenn wir dort einkaufen möchten.
Herzlichen Dank für Ihren Kommentar und viele Grüße
Der FLZ-Artikel „Verzögerungen wegen Hochwasserproblems“ vom 08.11.2019 beschreibt im Wesentlichen den Ablauf der Sitzung.
Die mögliche Hochwassergefahr nur auf die Parkflächen begrenzen zu wollen, halten wir für fragwürdig.
Sollte bei Hochwasser der Parkplatz bis zu 80 cm unter Wasser stehen, steht das Innere des Gebäudes vermutlich ebenfalls unter Wasser. Denn Supermarkt-Parkplätze werden eben und barrierefrei zum Einkaufsmarkt angelegt.
Selbst eine Argumentation, die Berechnungen seien auf ein hundertjähriges Hochwasser ausgelegt und somit wäre ein schadhaftes Ereignis sehr unwahrscheinlich, lassen wir nicht gelten.
Für einen Supermarktbetreiber ist es egal, ob das Wasser 80 cm oder „nur“ 40 cm hoch steht. Wenn es in den Laden läuft, ist der Schaden da.
Aber „hoffen“ wir mit dem Bürgermeister, „dass das so funktioniert.“
09.07.2021, Starkregen und unser schöner neuer Supermarkt säuft ab.
Wie kurz doch 100 Jahre sein können.
Hat wenigstens der Hochwassersensor funktioniert?
Nun sollte es jedem klar sein, dass uns der Klimawandel voll im Griff hat.
Dürreperioden und Hitzewellen wechseln mit Starkregenereignissen und werden auch Burghaslach in Zukunft nicht verschonen.
Doch dass man so schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird, hätte unser Bürgermeister sicher nicht erwartet.
Anstatt auf den Rat von Experten zu hören, machten sich der Bürgermeister und einige Gemeinderäte in einer öffentlichen Sitzung über die Mitarbeiterin des Wasserwirtschaftsamtes lustig.
Das doch völlig unnötige Retentionsvolumen reichte anscheinend gerade noch aus, um größeren Schaden abzuwenden.
Bauen im Überschwemmungsgebiet bindet zudem Hilfskräfte, die dann an anderer Stelle fehlen.
Ein Gewässerentwicklungskonzept ist nun der richtige Weg. Viele kleine Änderungen sind jetzt notwendig und abflussbeschleunigende Maßnahmen müssen zügig zurückgenommen werden.
Den Nettomarkt in ein Überschwemmungsgebiet zu stellen, war sicher sehr mutig.
Aber wie heißt es doch so schön, „Mut ist nur eine andere Form der Dummheit“ und ob am 04.11.2019 über die Eigene gelacht wurde, ist leider nicht überliefert.
E.M.